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Arbeitsbereiche in der Logopädie für Erwachsene

Die Arbeitsbereiche in der Logopädie für Erwachsene

Stimmstörungen im Erwachsenenalter:
Störungen in der Stimmgebung können organische, funktionelle und psychogene Ursachen haben. Organische Stimmstörungen treten z. B. nach operativen Eingriffen im orofazialen-Bereich auf. Hier können z. B. Karzinome im oralen Bereich oder am Larynx eine Ursache sein. 

Funktionelle Dysphonien sind in hypo- und hyperfunktionell zu gliedern – also eine verminderte Stimmleistung oder eine Überbelastung der Stimme, wie sie häufig in Sprecherberufen (Lehrer, Erzieherinnen, Call-Center Mitarbeiter, etc.) auftritt.

Symptome wie Heiserkeit, eingeschränkte stimmliche Belastbarkeit, Veränderung des Stimmklangs und eine verschobene Sprechstimmlage gelten als Hauptsymptome einer Stimmstörung. Nach eingehender Befunderhebung wird dann eine individuell abgestimmte Therapieplanung durchgeführt. Am Anfang einer Stimmtherapie steht immer die Eigenwahrnehmung. Diese soll geschult werden um eine Modifikation der persönlichen Stimme zu ermöglichen. Am Ende der Therapie gilt es die erlernte „neue“ Stimmgebung in die Alltagssprache zu transferieren. Eine Bereitschaft des Patienten zur Veränderung ist hierbei von großer Bedeutung.
 
Die Therapeuten können während der Therapie auf verschiedene Methoden zur Behandlung unterschiedlicher Stimmstörungen zurückgreifen.
 
Diese wären Beispielsweise:
 
Akzentmethode nach Prof. S. Smith.
Die Akzentmethode ist eine dynamische Sprechtherapie zur Verbesserung der Koordination von Atmung, Phonation, Körperbewegung, Gestikulation, Artikulation und Sprache.
Ziel der Methode ist der klare Ausdruck, verbunden mit einer guten Sprechverständlichkeit, die von einer guten Stimme abhängig ist. Auch bei Redefluss-Störungen wie Stottern findet die Akzentmethode Anwendung.
 
Funktionalle Stimmtherapie nach Prof. Dr. Kruse
Das Funktionale Stimmtraining nach Kruse kräftigt durch Phonationen auf Vokalen mit Reizstrom und ganz körperlichen Bewegungen die Kehlkopfmuskulatur. Grundlage dieses Konzeptes ist die Doppelventilfinktion des Kehlkopfes.
Nach einer Ausführlichen Diagnostik werden die Bereich Atmung, Körperhaltung, Kopfhaltung, Kieferweite und Lippenrundung im Bezug auf die Stimme erarbeitet. Dieses Konzept kann bei allen funktionellen und organisch Bedingten Stimmstörungen (Dysphonien) eingesetzt werden. Besonders in der Behandlung von  Recurrensparesen hat sich dieses Konzept bewert.

Funktionelles Stimmtraining nach dem Erlanger Modell
Dieses Konzept ähnelt dem oben genannten funktionellen Stimmtraining und unterscheidet sich hauptsächlich durch die Kopplung von Bewegung und Phonation, bei der das gesamte Muskelsystem des Körpers aktiviert wird. Das Funktionelle Stimmtraining nach dem Erlanger Modell kann als aktives Muskelaufbautraining an den Stimmlippen betrachtet werden und eignet sich ebenfalls für die Therapie bei Stimmlippenlähmungen, organischen und funktionellen Stimmstörungen.
 
Reflektorische Atemergänzung nach Coblenzer und Muhar:
Für Vielsprecher und zur ökonomischen Atemnutzung beim Sprechen eignet sich zusätzlich zum funktionellen Stimmtraining die Therapie durch die atemrhythmisch angepasste Phonation (auch „reflektorische Atemergänzung“). Das Prinzip von Anspannung und Entspannung (Atemdruck, Stimmlippenspannung und Atempause) bietet die Möglichkeit ausdauerndes und anstrengungsfreies Sprechen zu erlernen, bzw. sein Sprechverhalten langfristig zu verbessern.
 
Therapieunterstützend kann zu allen Stimmbehandlungsmethoden ein Reizstromgerät (Laryngoton®) verwendet werden. Stromimpulse sorgen hier für zusätzliche Aktivierung der Nerven am Kehlkopf und an den Stimmlippen.
 
Mehr Informationen unter:
www.dbl-ev.de
www.laryngoton.de
 
Sprach- und Sprechstörungen mit neurologischer Ursache:
Neurologische Erkrankungen wie z. B. ein Apoplex (Schlaganfall), Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder Chorea Huntington, aber auch Hirn, bzw. Gefäßverletzungen können zu Aphasien, Dysarthrien und Sprechapraxien führen.
Die Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung nach einem cerebralen Ereignis. Sie tritt immer nach vollendetem Spracherwerb auf und um fasst alle Bereiche der Sprache:
Sprechen, Verstehen, Lesen, Schreiben.
 
Ziel einer logopädischen Therapie mit aphasischen Patienten ist es u. a. immer die Kommunikationsfähigkeiten der betroffenen Menschen zu verbessern, bzw. zu erhalten und die Teilhabe am Alltagsgeschehen, z.B. durch Erarbeitung von Hilfsstrategien zu ermöglichen.
 
Häufig angewandte Therapieverfahren wären zum Beispiel:
 
MODAK nach Luise Lutz
Modalitätenaktivierung in der Aphasietherapie zur Steigerung der Kommunikationsfähigkeit. Durch das Konzept werden die 4 Modalitäten der Sprache (Sprechen, Verstehen, Lesen, Schreiben) aktiviert.
 
In dem die Behandlung der tieferliegenden neurophysiologischen bzw. -psychologischen Störungen und zum anderen mit einer intensiven Förderung der kommunikativen Fähigkeiten der Patienten verknüpft. Die Einführung in das Konzept ergänzen gebrauchsfertige Arbeitsmaterialien: Situationsbilder, die zur Aktivierung der gestörten Sprachprozesse eingesetzt werden.
 
Lee Silverman Voice Treatment (LSVT®)
ist eine evidenzbasierte Therapiemethode zur Behandlung von Stimm- und Sprechbeeinträchtigungen bei Morbus Parkinson und parkinsonähnlichen Erkrankungen. Der Behandlungsschwerpunkt liegt vor allem auf einer Erhöhung der Sprechlautstärke mit unmittelbarem Transfer in die Alltagskommunikation. Neben der Stimmfunktion verbessern sich nachweisbar auch unter anderem Verständlichkeit und Schlucksymptomatik.
 
Mehr Informationen unter:
www.dbl-ev.de

TAKTKIN®:
ist eine evidenzbasierte Therapiemethode zur Behandlung sprechmotorischer Störungen wie Dysarthrien und Sprechapraxien. Durch taktile lautspezifische Hinweisreize des Therapeuten an der Gesichts- und Sprechmuskulatur des Patienten werden Artikulationshilfen zur Reaktivierung sprechmotorischer Muster gegeben.
Ziel ist es dem Patienten letztendlich zu ermöglichen selbstständig auf sein artikulatorisches Muster im passenden semantischen Kontext zu zugreifen.

mehr Informationen unter:
www.dbl-ev.de
 
Für Angehörige bieten wir immer auch die Möglichkeit der Beratung und den Austausch mit den Therapeuten oder in einer Gruppe mit anderen Betroffenen.

Ebenso besteht für Aphasiker die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Gruppentherapie. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an uns.
 
Dysphagien (Schluckstörungen):
Eine Dysphagie kann sowohl neurologische, als auch organische Ursachen haben. Neurologisch bedingte Schluckstörungen treten oft gemeinsam mit einer Aphasie und / oder Dysarthrie auf. Auslösender Faktor ist auch bei der Dysphagie eine Schädigung bestimmter Hirnregionen durch z. B. Apoplex oder Trauma. Organische Ursachen sind z. B. Operationen oder Verletzungen im orofazialen Trakt.
Arbeitsbuch Aphasie Ziel einer Dysphagie-Therapie ist es immer die Nahrungsaufnahme der Patienten zu sichern und einer Aspiration vorzubeugen. Soweit möglich soll eine Selbstständigkeit in der oralen Ernährung erhalten, bzw. wieder aufgebaut werden, um eine Sondenernährung zu vermeiden.
© 2009 Therapiezentrum Baumgarten